Zurück zur Auswahl   Datenbank für Eisenbahnfreunde  Dezember 2009


Verkehr auf der Schmalspurbahn Sibiu – Agnita eingestellt

Bahngesellschaft: CFR
Bezugsjahr des Beitrages: 2001
Bahnland: Republik Rumänien
Autor: Dieter Ender

Bild 1: Einfahrt des P 2921 mit der Lok 87 0017-1 am 12.06.2000 in den Schmalspurbahnhof Sibiu.



Bild 2: D-gekuppelte Schlepptenderlokomotive für Traditionsfahrten (der BR 764, ohne Lok-Nummernschild) im Depot Sibiu am 12.06.2000. Damals wurden Traditionsfahrten auf der Strecke von RONEDO vermittelt.

Geschichte der Bahnlinie

Kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts wurde in dem damals noch österreich-ungarischen Siebenbürgen der Bau der 760-mm-Schmalspurbahn von Sighisoara (dt.: Schäßburg) nach Agnita (dt.: Agnetheln) beschlossen. Die Bahn sollte vor allem landwirtschaftliche Produkte der ansässigen, überwiegend deutschstämmigen Bevölkerung aus der fruchtbaren Siebenbürgischen Hochebene zu dem bedeutenden Umschlagbahnhof in Schäßburg und in die Stadt selbst transportieren. Am 17. November 1898 wurde schließlich die 47 km lange Bahnlinie, deren Trasse meist entlang dem Horbachtal führt, als „Schäßburg-Agnethelner Eisenbahn“ eröffnet. Die ersten Lokomotiven auf der Strecke waren noch drei C-gekuppelte Dampflokomotiven. Die Bahn wurde schnell von der Bevölkerung als neues Transportmittel angenommen, so dass der Erfolg wohl die Aktionäre der Eisenbahngesellschaft beflügelt haben muss, denn sie ließen später die Strecke verlängern. Am 27. September 1910 fuhr der erste Dampfzug auf der von Agnita bis Sibiu (dt.: Hermannstadt) verlängerten, 58 km langen Neubaustrecke. Kurze Zeit darauf wurden auch die Gemeinden Harbachsdorf und Burgberg durch Zweiglinien an die Schmalspurbahn angebunden. In Hermannstadt endet das Schmalspurgleis direkt neben dem Hauptbahnhof der Normalspurstrecke. Zuvor mündet es in der Nähe der Bahnstation Mohu in die eingleisige normalspurige Hauptstrecke Sibiu – Fagaras ein und wird von dort aus als Dreischienengleis in Richtung Sibiu weitergeführt. Vor dem Hauptbahnhof Sibiu werden die beiden unterschiedlichen Spuren wieder getrennt.
Nach 1918, als Siebenbürgen ein Teil Rumäniens geworden war, ging die Bahn in den Bestand der Rumänischen Staatsbahnen (CFR) über, die den Betrieb bis zum 03. September 2001 abwickelte. Als offizielle Begründung für die Einstellung des Betriebes wurden von der CFR notwendige Reparaturen an den Lokomotiven und unaufschiebbare Streckenbauarbeiten genannt. Da aber offiziell die Bahnlinie nicht stillgelegt wurde, kann der Betrieb auch jederzeit wieder eröffnet werden.

Rückgängige Verkehrsleistungen ab den 60er Jahren

Da sich das Verkehrsaufkommen wie überall allmählich von der Schiene auf die Straße verlagerte, wurde 1965 die ursprüngliche Strecke zwischen Schäßburg und Agnetheln stillgelegt. Hier waren zur Aufrechterhaltung des Verkehrs aufgrund des schwierigeren gebirgigen Geländes auch die größten Aufwendungen notwendig. Außerdem konnten die Lokomotiven, durch die stärkeren örtlichen Steigungen bedingt, hier nur Züge mit geringerer Zahl an Waggons befördern. In den letzten 20 Jahren gingen die Transportleistungen auch auf dem verbliebenen Teil der Schmalspurbahn kontinuierlich zurück. So verkehrten noch 1984 planmäßig am Tag zwei Zugpaare zwischen Sibiu und Agnita und ein Zugpaar zwischen Sibiu und Vurpar (dt.: Burgberg). Für die 58 km lange Strecke waren planmäßig 3 Stunden Fahrzeit vorgesehen. Die Züge waren laut Fahrplan alle als Mixt ausgeschrieben, d. h., es waren in jeden Zug Personen- und nach Bedarf Güterwagen eingereiht. Im Jahr 2000 befuhr lediglich noch ein Zugpaar pro Tag die Strecke Sibiu – Agnita. Dieses Zugpaar war nur noch als Personenzug (P) ausgeschrieben. Außerdem wurde schon lange nicht mehr der ursprüngliche Bahnsteig direkt neben dem Hauptbahnhof zum Ein- und Aussteigen genutzt. Dessen Gleise waren zugestellt mit abgestellten Waggons. Etwa 200 m vor dem Endbahnsteig befindet sich ein Straßenübergang, an dem der einfahrende Zug hielt und den Passagieren die Gelegenheit gab, auszusteigen. Dies waren alles Anzeichen dafür, dass das Interesse an einer vorschriftsmäßigen Abwicklung des Betriebes nicht mehr vorhanden war oder dass zwingende Umstände eine solche Abwicklung nicht mehr zuließen. Als Grund dafür könnte gelten, dass die Beschäftigten längst wussten, dass der Bahnbetrieb eingestellt wird.



Bild 3: Blick auf den Schmalspurbahnhof Sibiu am 21. Juli 1979. Auf engstem Raum waren hier Personenbahnsteig (mit abgestelltem Zug) und Ladegleis mit Verbindung zum rechts erkennbaren Normalspurgüterschuppen angeordnet.
 
Diesellokomotiven als Rückgrat des Betriebes

 
Noch zu Zeiten der österreichisch-ungarischen Herrschaft wurden die ersten C-Kuppler durch leistungsstärkere D-gekuppelte Dampflokomotiven ersetzt. Diese waren im Einsatz, bis in den 70er Jahren die CFR in Rumänien produzierte Bo`Bo`-Diesellokomotiven der Baureihe 87 mit hydraulischer Kraftübertragung in Betrieb nahm. Seitdem wurden die Dampflokomotiven nur noch zum Vorheizen der Personenwaggons im Bahnhof Sibiu eingesetzt. Dadurch waren aber bis Ende der 80er Jahre völlig intakte und gut gepflegte Restaurationsanlagen für Dampflokomotiven im Lokdepot Sibiu vorhanden. Das Depot sah deshalb auf den ersten Blick für den interessierten Eisenbahnfan wie ein Schmalspurdampflokdepot aus. Im Jahr 2000 waren mehrere gepflegte Diesellokomotiven und eine Traditions-Dampflokomotive im Depot zu sehen. Die Güterwagen waren wahrscheinlich schon längere Zeit auf den Nebengleisen des Schmalspurbahnhofs abgestellt und zeigten damit unmissverständlich an, das der Güterverkehr auf der Bahn beendet war. Die meisten Personenwagen wurden Ende der 80er Jahre generalüberholt oder neu aufgebaut. Sie bekamen dabei den typischen blauen Anstrich. Von diesen relativ gut erhaltenen Waggons im Depot Sibiu zehrte bis zum Schluss auch der Betrieb auf der Schmalspurbahn.

Bild 4: Ausfahrt des Mixt 2924 am 21. Juli 1979 aus dem Bahnhof Sibiu auf dem Dreischienengleis in Richtung Agnita. Ende der 70er Jahre war, wie hier ersichtlich, der Personenwagenbestand in einem katastrophalen Zustand.


Zurück zum Themenbereich Staatsbahnen

Mehr zu dieser Bahngesellschaft (CFR)

Einfache DIN-A4-Druckversion

 
Quellen und weiterführende Literatur:
Das Ende: Schmalspurbahnen der Staatsbahn. LOK Report, Berlin 31 (2002) Heft 10, S. 50